Weinland Ungarn - Interview mit unserem Mitglied Krisztián Gyukli

Ob es die Römer oder doch bereits die Kelten waren, die in Ungarn den Grundstein für eine große Weinbaunation legten ist nicht ganz erwiesen. Was jedoch unbestritten ist: Den Vergleich mit den großen europäischen Weinländern muss das verhältnismäßig kleine Land mit seinen 7 Weinregionen und 22 Anbaugebieten nicht scheuen.

Ein spannender Trend ist das wachsende Interesse am Bioweinbau in Ungarn. Der Wunsch nach weniger chemischem Pflanzenschutz und einem ökologischen Weinbau im Einklang mit den natürlichen Gegebenheiten findet auch hier immer mehr Anhänger und hat mit Krisztián Gyukli vom Weingut Gyukli in Balatonfüred am wunderschönen Plattensee einen innovativen und überaus sympathischen Fürsprecher gefunden. Er leitet heute den Betrieb, den sein Vater Gyula 1983 gründete, und betreibt seit 2010 Versuchsplantagen, mit denen er vielversprechende Neuzüchtungen sowie innovative landwirtschaftliche Methoden testen und in der Region etablieren will….

Herr Gyukli, Sie bauen nicht nur ganz traditionell ungarische Sorten, wie den berühmten Lämmerschwanz an, sondern bewirtschaften auch Versuchs-Rebflächen. Welche Rebsorten erforschen Sie in diesen Weinbergen?

K. Gyukli: „Im Jahr 2010 habe ich eine Versuchsplantage angelegt mit der Rebsorte Solaris. Diese Pilzwiderstandsfähige Rebsorte habe ich bereits am Staatlichen Weinbauinstitut in Freiburg 10 Jahre erforscht. Unsere Solaris-Reben in Ungarn sind seit 5 Jahren ohne Pflanzenschutz kerngesund und sind schon im August reif. Da unser „Bio Solaris 2014 Virgin Vintage” europaweit bei mehreren Weinwettbewerben Großes Gold, Champion Price oder den ersten Platz geholt hat, wird dieses Jahr die Solaris Fläche erweitert. Vor drei Jahren habe ich dann eine ungarische weiße Sorte angebaut mit dem Namen Füredgyöngye (Perle von Füred). Der Züchter hat mich gebeten diese noch nicht klassifizierte Sorte bekannt zu machen. Ich bin mit beiden Rebsorten äußerst zufrieden. Im Jahr 2017 möchte ich dann die rote PiWi Sorte Néró anpflanzen, um tolle Bio Rosé Perlweine herstellen zu können.”

Gibt es Sorten, die Sie besonders überzeugen? Welche Eigenschaften müssen sie für das Klima in Ihrer Region mit sich bringen?

K. Gyukli: „Die Rebsorte Olaszrizling hat bei uns die größte Bedeutung. Sie ist zwar eine konventionnelle Sorte, die Pflanzenschutz benötigt aber die eine optimale Säure-Zucker Entwicklung in der Reifephase durchläuft und die eine stabile Beerenhaut besitzt. Dies ermöglicht nicht nur frische-fruchtige, sondern auch körperreiche Auslesen und edelsüße Trockenbeerenauslesen. Der 14’er Sommer war in Balatonfüred sehr kalt und nass, der 15’er extrem heiß... die Sorte Olaszrizling hat aber bewiesen, dass sie sich in den Karpaten wohlfühlt: Wir konnten beide Jahre hervorrangende Weine ausbauen.”

Man kennt die PIWIs ja eher aus nördlichen, eher kühlen und niederschlagsreichen Weinländern – gibt es in Ungarn viele Winzer, die sich für das Thema interessieren? Gibt es da einen Austausch oder probiert jeder, was in seinen Lagen am besten funktioniert?
Gyukli mit Solaris-800
K. Gyukli: „In Ungarn gibt es zur Zeit ca. 60.000 ha Rebfläche, davon knapp 10.000 ha PiWi. Ich glaube damit sind wir gut vorne was PiWi angeht. In der Tiefebene pflanzen viele Winzer die Sorte Bianca (gleicher Züchter wie bei den Sorten Füredgyöngye und Néró) weil die Sorte kaum Chemikalien braucht, einen riesen Ertrag hat und leicht maschinell bewirtschaftet werden kann. Es gibt viele ungarische PiWi Sorten mit sehr guten Eigenschaften. Die Winzer haben immer weniger Angst davor diese Sorten auszuprobieren. Immer mehr Jungwinzer stellen ihre kompletten Rebflächen ökologisch um, unabhängig davon, ob die Sorten PiWi oder Tradiotionelle sind.”

Sie testen in den Versuchsplantagen auch weinbautechnische und landwirtschaftliche Methoden. Können Sie uns einen kleinen Einblick geben?

K. Gyukli: „Es gibt bei uns am Plattensee viele unterschiedliche Böden, die es uns ermöglichen unterschiedliche Saatgüter auszuprobieren. Unsere Ökoflächen haben 2 Vogelnester und 2 Insektenhotels pro Hektar. In der Vegetationsphase ziehen wir 2 mal Blattproben und einmal Bodenproben, um die optimale Nährstoffversorgung der Reben zu unterstützen. Nächstes Jahr fangen wir mit einer speziellen Erziehungsform mit dem sogenannten Rutenkordon an. Das ist eine spezielle Variante aus dem Minimalschnitt. Hier erwarten wir eine stabile Laubwand (gegen Hagelschaden) und trotz riesen Ertrag reife Trauben aufgrund eines besseren Ruten-Trauben Verhältnisses.”

Das Interview führte Sonja Hartung von der WINE System AG.
Vielen Dank an Krizstian Gyukli dass er sich Zeit genommen hat.
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