50 Jahre Rebsorte Johanniter, der weiße PIWI-Pionier

Weißweine mit dem Namen „Johanniter“ bringen Weinfreunde öfter mit „Unfall-Hilfe“ in Verbindung. In seltenen Fällen wird die Sorte für eine historische Rebsorte des „Ritterlichen Johanniter-Ordens“ gehalten. Mit diesem besonderen Namen wollte man den Vater dieser pilzwiderstandsfähigen Rebsorte vom Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg im Breisgau Dr. Johannes Zimmermann ehren. Herr Zimmermann begann bereits im Jahre 1939 mit der Kreuzung des Opas vom Johanniter, nämlich ein Produkt aus Ruländer mal Gutedel. Im Juni 1954 bestäubte er damit die Blüte von „Seyve-Villard 12.481“, einer pilzwiderstandsfähigen Sorte aus Frankreich. Heraus kam ein guter „Resistenz-Träger“ gegen Mehltaukrankheiten: FR 589-54. Damit wurde in den darauf folgenden Jahrzehnten fleißig gezüchtet, um die pilzwiderstandsfähigen Rebsorten zu verbessern. Schließlich gelang es Dr. Johannes Zimmermann im Jahre 1968 mit dem König Riesling als Mutter und FR 589-54 als Vater den Rebensämling „FR 177-68“ zu erzeugen, der nach langer intensiven Prüfung von Dr. Norbert Becker im Jahre 1997 beim Bundessortenamt Sortenschutz mit dem Namen „Johanniter“ erhielt.

       Fotos von Josef Engelhart

Der Johanniter überzeugte weinbaulich die Winzer und weingeschmacklich die Weinfreunde. Deshalb verbreitete er sich in Deutschland bis heute mit einer Fläche von über 100 Hektar. Darüber hinaus wird er auch in unseren Nachbarländern Schweiz, Österreich, Belgien und Holland angebaut. Er ist von der Lage her nicht so anspruchsvoll wie der Riesling, ihm genügen schon gute Müller Thurgau-Lagen. In solchen Lagen zeigt er eine konstante Ertragssicherheit, die leicht über dem des Rieslings liegt, bei einer beachtlichen Zuckerleistung. Die Winzer freuen sich an seinem mittleren und einigermaßen aufrechten Wuchs und seiner Robustheit gegen Fröste und Mehltaupilze. Normalerweise kommt er mit zwei bis drei Öko-Pflanzenschutzbehandlungen aus, was gerade für Ökobetriebe einen entspannten Pflanzenschutz bedeutet. Damit ist die Sorte extrem umweltfreundlich. Durch die Klimaerwärmung hat sich der Johanniter zu einem „verspielten“ Weintyp entwickelt. In kühlen Regionen wie Belgien oder Holland kommt die Riesling-Mutter extrem zur Geltung mit einer strengen Säure. Deutsche Johanniterweine sind angenehm fruchtig mit feinen Leitaromen wie „Birne, Akazienblüte, Apfel oder Ananas“ bei einer meist sehr harmonischen Säure. In Norditalien zeigt sich der Johanniter sehr reif mit milder Säure und Calvados-Apfelaromen. Die Weine liegen bei uns meist im trockenen bis halbtrockenen Bereich und sind universale Essensbegleiter, sie sind niemals langweilig. In jüngster Zeit zeigt er seine Stärke als Grundwein für Secco oder Sekt mit einem langen Lagerpotential. Spannend sind die Jahrgangsunterschiede vom Johanniter, in kühlen Jahren geht der Geschmack in Richtung Riesling und in warmen Jahren ähnelt er einem milden Weißburgunder. Auch ist er ein guter Terroir-Anzeiger: Kräuteraromen auf Muschelkalkboden und florale Noten auf Sandböden. Die Winzer können auch großartige Johanniterweine erzeugen, das beweisen zahlreiche Medaillen beim internationalen Bioweinpreis oder beim Weinpreis von PIWI-International bereits seit vielen Jahren.

Die Zeit bleibt nicht stehen, auch die Rebenzüchter haben die Qualitäten vom Johanniter erkannt, mit ihm weitergekreuzt und ihm etliche Kinder beschert, die derzeit noch in der Prüfung stehen. Und im Übrigen ist 50 Jahre noch überhaupt kein Alter für eine Rebsorte. Herzlichen Glückwunsch dem jugendlichen Johanniter!

Veitshöchheim im Sept. 2018
Josef Engelhart
Präsident PIWI international e.V.

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