Was sind PIlzWIderstandsfähige Rebsorten?

Die Pilzwiderstandsfähigen Reben sind ursprünglich aus Kreuzungen zwischen Cabernet blancEuropäerreben und pilzresistenten amerikanischen Arten entstanden. Die meisten Sorten, die heute noch fälschlicherweise als Hybriden, interspezifische Sorten oder Direktträger bezeichnet werden, entstanden um die Jahrhundertwende von 1880 bis 1935 in Frankreich. Man wollte die Krankheitsresistenz  der amerikanischen Reben und deren Reblausresistenz mit den guten Weinqualitäten der Europäersorten kombinieren. Die Hoffnung, diese Reben könnten auf eigener Wurzel und nicht als Pfropfreben angebaut werden, erfüllte sich nicht. Neuere Züchtungen (nach 1950) sind sehr komplex und es können auch asiatische Arten beteiligt sein. Sie sind das Ergebnis eines über Jahrzehnte währenden Züchtungsprozesses, in dessen Verlauf mehrfache Rückkreuzungen mit Kultursorten erfolgten. Sie sind der Art Vitis vinifera zuzuordnen, da sie im Rahmen des durchgeführten Zulassungsverfahrens taxonomisch davon nicht zu unterscheiden sind. Die in einer offiziellen Überprüfung im Rahmen der vergleichenden Sortenprüfung bestätigte gute Weinqualität erlaubt die Qualitätsweinproduktion gemäß EU-Recht.

 

Seit wann werden Reben krank?

Die beiden wichtigsten Krankheiten, die regelmäßigen Pflanzenschutz im Weinbau nötig machen, sind der Falsche und der Echte Mehltau. Diese Pilzkrankheiten waren ursprünglich bei uns in Europa nicht heimisch. Sie wurden im 19. Jahrhundert mit neuen Rebsorten von Nordamerika nach Europa eingeschleppt und haben sich in jener Epoche explosionsartig ausgebreitet. Der Weinbau in Europa drohte zugrunde zu gehen, auch wegen der Reblaus, die zur selben Zeit in Europa wütete. Seit dieser Zeit müssen alle traditionellen Rebsorten jedes Jahr 6 bis 16 Mal – je nach Witterung und eingesetzten Mitteln – mit Fungiziden behandelt werden, denn ein Pilzbefall kann die Traubenernte total vernichten. So gelangen diese Spritzmittel in die Umwelt. Laut Analysen des statistischen Amtes der EU (EuroStat) ist der Pflanzenschutzmittel-einsatz pro Hektar und Jahr im Weinbau mit Abstand der größte im Vergleich zu allen anderen landwirtschaftlichen Produkten, die in der EU produziert werden.

 

Agieren statt Reagieren

Mit pilzwiderstandsfähigen Rebsorten sind Weinproduzenten der Natur eine Nasenlänge voraus. Denn jede Form von Pflanzenschutz ist im Grunde nur ein „dem Problem Hinterherhinken“. Natürlich bedeutet das nicht, dass nicht andere Probleme auftauchen könnten: die Rebe kann, wenn sie in Monokulturen angebaut wird, auch andere Schädlinge, wie z.B. Insekten oder Viren, anlocken, die einen Pflanzenschutz nötig machen. Und die gefürchteten Pilzkrankheiten könnten mutieren und eines Tages in ferner Zukunft auch wieder PIWI-Rebsorten befallen. Aber im Hier und Jetzt sind PIWIs die beste Möglichkeit um weitestgehend auf Pflanzenschutzmittel verzichten zu können. Weinbau ohne Chemie und ohne Bodenbelastung, weil man sich die vielen Traktorfahrten durch die Rebzeilen spart, ist kein Traum, sondern PIWI-Realität.